Dienstag, 24. Mai 2011
Weitere Updates!
Zunächst hatte ich mir wohl irgendeinen Infekt im Urlaub eingefangen und bin, nachdem ich Freitag wiedergekommen war, nicht mehr aus dem Bett gekommen. Nach erster Fehldiagnose einer Ärztin ging es mir immer schlechter bis Danny sich am Donnerstag kurzer Hand mit mir in ein Taxi zum Krankenhaus gesetzt hat. Die haben mich sofort behandelt, Injektionen gelegt und mich gleich dort behalten und ins Bett gesteckt. Freitag Abend ging es mir schon besser und wurde entlassen. Am Mittwoch der folgenden Woche war ich schon wieder arbeiten und bin jetzt wieder fit. Alle haben sich echt total lieb um mich gekümmert und mich unterstützt. Die meiste Zeit war ich bei Kelvin, der mich nicht aus den Augen gelassen hat, und wurde von der ganzen Familie mit Obst, Suppen und Saft versorgt. Auch Danny war wieder super und hat mir unglaublich geholfen. Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass so viele im Notfall für einen da sind, und ich bin ihnen unglaublich dankbar dafür.
Dann habe ich fünf Tag endlich wieder arbeiten können...bis hier wieder Huelga losging. Dieses Mal war es echt heftig. Einmal mussten Danny und ich Essen besorgen, weil wir nicht auf so lange Huelga eingestellt waren und sind beinahe dazwischen geraten. Zum Glück flog gleich die Tür eine befreundeten Familie auf, wo wir uns gleich reingeflüchtet haben. Einen Tag waren wir alle mit Tüchern vor dem Mund im einzigen Zimmer mit Glasfenstern, um uns vor dem Tränengas der Polizei zu schützen, was von draußen rein kam. Das ist schon ein unheimliches Gefühl und man merkt nach ein paar Tagen schon, wie das die Menschen mitnimmt.
Kelvin musste dieses Wochenende wegen der Uni in Santo Domingo bleiben....da ja sowieso Huelga war, bin ich Freitag Morgens um 6 Uhr also in den Bus in die Hauptstadt gestiegen. Dort waren wir in der Zona Colonial(sehr schöne Altstadt!), auf der Büchermesse, in der Uni, am Malecón und ich habe seinen Onkel und dessen Familie, bei denen er dort wohnt, kennengelernt.
So vergeht die Zeit nur so im Flug und mir bleiben schon nur noch drei/vier Wochen bis zu den Sommerferien. Dafür sind wir Freiwilliginnen gerade am Ferienprogramm-Planen. Das ist gar nicht sooo einfach an alles zu denken und das zu organisieren, aber ich finde, wir sind ein gutes Team und schaffen das schon! Ich bin sicher das wird cool - ich schreibe uech dann später, ob es gut gelaufen ist!
Also, bis zum nächsten Mal(dann hoffentlich wieder mit Fotos!) und macht´s gut! Eure Annika
Endlich Familienbesuch!
Es tut mir Leid! Ich weiß ich habe mich die letzten Monate nicht besonders gut im Blog-Schreiben gehalten. Ich habe jetzt mal wieder den Vorsatz das zu ändern und fange gleich mal damit an. Ein Update sozusagen;) Leider hatte ich Probleme mit meinem Computer und habe sämtlich Fotos, Mails und Mailkontakte verloren. Meine Mailadresse ist aber immernoch die gleiche. Meldet euch gerne bei mir, dann hab ich auch eure mailadresse wieder - hihi, Erpressung;)
Ich werde mal gaaaanz vorne Anfangen: Mitte April - endlich kommen mich meine Liebsten besuchen! Zwei schöne Wochen waren sie mich besuchen, haben mit mir das Land bereist, mein dominikanisches Zuhause, das Projekt und die Menschen, die für mich hier wichtig sind kennengelernt. Ich habe sie am Flughafen von Puerto Plata(mit Schild, da Mama Bedenken geäußert hatte, dass sie mich vielleicht nicht wiedererkennen^^) erwartet, von woaus wir gemeinsam von Janosch, abgeholt worden sind. Seine Frau und er haben ein kleines, ruhig gelegenes Hotel an der Nordküste mit super leckerem Frühstück! Ich muss ja gestehen, dass ich mich nach Monaten Reis und Bohnen sehr auf das "Urlaubsessen" gefreut hatte:D
Nach drei Tagen Ankommen und Ausruhen haben wir uns im Mietwagen nach Salcedo aufgemacht! Auf dem Weg sind wir unter anderem an einem Aussichstpunkt über das gesamte Tal Cibao angehalten mit einer tolle Aussicht. Das Tal ist für seine Fruchtbarkeit und schöne Landschaft bekannt - und ich wohne da mitten drin:D Hier haben wir also von Montag bis Freitag bei meiner Gastfamilie gelebt. Meine Familie konnte sehen, wo, wie und mit wem ich wohne und hat vor allem endlich Danny, meine super Gastmutter, kennengelernt. Und trotz Sprachhürden haben sich meine Mamas prächtig amüsiert;D
Natürlich waren wir auch im Projekt - leider in einer wegen Ferien leeren Schule, aber sie haben einen Eindruck gewonnen.
Ansonsten haben wir viel Zeit mit unserer deutsch-dominikanischen "Clique" und bei Kelvins Familie verbracht. Es ist jetzt also offiziel: Ich habe mich in Kelvin, einen Dominikaner, verguckt:) Seine Familie hatte uns eingeladen, alle waren aufgeregt Mama, Papa und Lasse kennenzulernen und fanden es, glaube ich, sehr spannend als es dann soweit war. Wir haben gesungen, die Papas haben Gitarre gespielt, haben verschiedene Familienmitglieder Kelvins kennengelernt und besucht und Lasse hat die zwei jüngsten Brüder, Pelu(15) und Melvin(20) mit Graffiti-Zeichnungen(das heißt in Graffiti-Fachsprache sicer anders - ich weiß, Lasse;))angesteckt....die zeigen mir heute noch immer wieder neue Skizzen! Und in beiden meiner dominikanischen Casas hängen jetzt hübsch bemalte Ostereier!
Ein weiteres Highlight war unser Ausflug mit Freunden zum Canyoning - coole Sache! Da sind wir ca. eine Stunde durch den Dschungel bergauf gestapft und dann rutschend und springend durch 24 Wasserfälle zurück. Danach haben meine Beine zwar vor Anstrengung gezitter und mir war kalt, aber ich habe mich wie ein Held gefühlt - und da war ich sicher nicht die Einzige.
Nach so vielen neuen Leuten und noch weiteren Aktivitäten in Salcedo haben wir uns zu fünft mit Kelvin auf den Weg nach Samaná gemacht. Samaná ist eine Halbinsel im Nordosten und für seine Berge und schönen Strände bekannt. Auch dort sind wir in einem kleinen Hotel untergekommen. Von dort aus sind wir nochmal an einen anderen Strand gefahren, in den Nachbarort Las Terrenas und in den Nationalpark Los Haitieses. Der Ausflug in den Nationalpark fand ich besonders schön. Tolle Höhlen und Mangroven und zum Abschluss eine sehr stürmische und abenteuerliche Rückfahrt in unserem kleinen Fischerboot. Fand ich gut:D
Ansonsten waren wir in den Wellen baden, am Strand spazieren und (besonders Lasse!!!) am Essen;) Kelvin ist schon etwas früher abgereist und so hatten wir zum Abschluss nochmal Zeit zu viert, was ich auch sehr genossen habe. Ich fand es aber auch schön und wichtig, dass meine familia querida und Kelvin sich auf diese Weise nochmal besser kennengelernt haben.
Alles in einem hatten wir einen tollen und ich finde auch außergewöhnlichen Urlaub und ich finde es toll, dass sie mich besuchen gekommen sind!
Wegen genannter technischer Probleme hat Papa die Fotos alle hochgeladen - die Überschrift ist der Link dazu!
Montag, 28. Februar 2011
Carnaval!
Die Wochenenden danach sind wir meistens mit einer Gruppe Freunden nach La Vega gefahren. Der veganische Karneval wird als der Beste landesweit gehandelt und hat uns auch sehr gut gefallen. Am tollsten sind einfach die Kostüme hier. Schon Monate vorher bilden sich Gruppen, die zur Karnevalszeit gemeinsam durch die Straßen ziehen und ihre Kostüme präsentieren. Die Route der Macaraos(so heißen die Verkleideten) ist festgelegt und so bummeln die Karnevalsbesucher den ganzen Tag diese Route entlang und schauen sich die verschiedenen Kostüme an....und die sind toll! Unglaublich! Die Gruppen haben nicht nur tolle Anzüge sondern auch Maksen, die meistens riesig und genauso bunt wie der Rest des Karnevals sind;) Die Jungs meinten vorher zu uns, wir sollten uns lieber zwei Paar Hosen anziehen....das mache man hier so an Karneval. Wir Mädels dachten uns natürlich, wir würden den Karneval auch mit einer Jeans gut überstehen.....naja. Was wir nicht verstanden hatten war, dass die Macaraos an Bändern befestigte, harte Ballons haben mit denen sie den Leuten ganz schön den Hintern versohlen, wenn die nicht am Straßenrand gehen. So blaue Hintern habe ich mein Leben noch nicht gesehen! Wieder mal eine sehr dominikanische Erfahrung;)
Dienstag, 1. Februar 2011
Huelga!

Eben weil das für jeden gefährlich werden kann, fällt heute Nachmittag und morgen auch die Schule aus. Ich bin also "sicher" Zuhause auf meinem Bett und es geht mir gut. Wenn man ein bisschen aufpasst, muss man sich eigentlich auch keine Sorgen machen. Also: Keine Sorge;)!Montag, 17. Januar 2011
Pico Duarte
Donnerstag, 6. Januar 2011
Caminata
So kommen wir völlig zerstrubbelt im Küstenort Nagua an. Von dort aus gehen wir in den Vorort Matancitas, wo wir uns mit Laura treffen, die dort als weltwärts-Freiwillige lebt. Sie wohnt in einem relativ großen Haus mit wunderschönem, großen Garten. Bei ihr verbringen wir auch unsere erste Nacht, um unsere Wanderung(Caminata) Richtung Cabarete am nächsten Morgen zu beginnen.
Auf dem einen Foto seht ihr ein Elendsviertel vor Nagua. Ich finde es immer wieder erschreckend, sich vorzustellen, dass ganze Familien in den Häusschen leben. Dazu kommt der Müll, der hier allerdings keine Seltenheit ist. Wir denken, dass er hier von den Bewohnern vielleicht auch zur Küstenverbreiterung genutzt wird.
Salcedo – Nagua: 93km Guagua und Carrito
Nagua – Matancitas: 5,6km zu Fuß
26.12.2010 – Morgens um 9 Uhr ging es ein bisschen hektisch los. Nach erstem Strandbegutachten in Matancitas habe ich(einzige ohne richtigen Wanderrucksack) auch schon die ersten Schmerzen. Also beschließen wir, uns bis Nagua mitnehmen zu lassen – immerhin sind wir die gleich Strecke am Vortag schon gegangen, eigentlich wollten wir ja "nur" von Nagua nach Cabarete und es liegen immerhin noch 100km vor uns! Der nette Fahrer bringt uns sogar noch zu einer Cafetería, wo wir erstmal lecker frühstücken: Papaya-Milchshake und Sandwich. So kommen wir erst um 11 Uhr in Nagua los. Am Vortag hatte ich schon Sorge, ich könnte mit dem schnellen Tempo der anderen nicht mit, aber es passt super und wir sind echt flott unterwegs!
Wir laufen den ganzen Tag lang an einer Hauptstraße, bis wir schließlich auf eine Sandstraße kommen. De führt uns durch Hügellandschaften an den ersehnten Traumstrand! Das ist dann auch höchste Zeit, weil wir uns die letzten Kilometer echt gequält haben...Lukas in FlipFlops, weil seine Schuhe so gedrückt haben und Nausikaa und ich mit Blasen und auch sonst tut fast alles weh.Nach unserer Abkühlung im Meer gehen wir weiter am Strand entlang, wo wir auch für die letzten zwei Kilometer bis zum nächsten Ort eine Mitfahrgelegenheit bekommen:)
Diese Nacht schlafen wir für insgesamt 10€ in einer Cabaña – einem Stundenhotel. Aber es ist billig, relativ sauber und die einzige Unterkunft, die wir diesen Abend finden können. Außerdem sind die Cabañas hier berüchtigt und es gehört doch irgendwie dazu mal in einer geschlafen zu haben;)
Matancitas - Nagua: 2km zu Fuß; 3,6km Auto
Nagua – La Entrada: 31,4km zu Fuß; 2km Moped
27.12.2010 – Morgens um 9 verlassen wir die Cabañas. Die Nacht und der Schlaf hatten heilende Kräft und bis auf die Blasen sind fast alles Schmerzen weg! Auf dem Weg frühstücken wir noch Empanadas und Joghurt(eine Seltenheit!) und dann gehen wir erstmal wieder eine ganze Zeit. Auf dem Weg spielen wir Rätselspiele, singen und quatschen. Manchmal lässt sich auch mal einer zurückfallen und denkt entweder in Ruhe nach oder einfach gar nicht.
Mittem im Wald hält auf einmal ein Laster vor uns. Zwei Männer springen raus – einer aufs Dach und einer auf die Ladefläche...einen kurzen Moment denke ich: "Scheiße, jetzt werden wir überfallen! Wir hätten doch auf die anderen hören sollen und nicht diese Strecke gehen!"
Nach 19km kommen wir endlich in Abreu an. Hier wollen wir uns eigentlich einen alten Leuchturm auf einem Felsen angucken....als wir oben sind trauen wir unseren Augen nicht: Vor uns liegt der schönste Karibikstrand, den wir bis jetzt gesehen haben! Wunderschön in einer Bucht und außer ein paar dominikansichen Kindern leer! Die Aussicht von oben ist genial und das Wasser ist wunderschön blau – ein Traum! Wieder wurden wir fürs ganze Gehen belohnt! Unten am Strand entdecken wir sogar einen Süßwasser-Wasserfall unter dem wir das Salzwasser nach dem Baden noch abwaschen können.
Als wir nach ein paar Stunden wieder oben an der Straße ankommen, tun meine Unterschenkel so weh, ich habe das Gefühl nur noch humpeln zu können. Es ist auch schon fast dunkel und wir beschließen, den Rest des Weges wieder per Anhalter zu fahren. Prompt hälter ein kleiner Transporter an und nimmt uns hinten mit bis nach Rio San Juan.
Dort kommen wir in einem kleinen Hotel direkt am Meer mit schönem Ausblick unter. Wir gehen noch kurz an den Strand baden, dann warm duschen und lecker Essen. An diesem Abend erklärt Lukas uns Skat und Poker – womit die hauptsächliche Freizeitbeschäftigung für den Rest des Trips festliegt;D
La Entrada – Abreu: 19,1km zu Fuß
Abreu – Rio San Juan: 14,2km Laster
28.12.2010 – Wir machen einen Tag Pause in Rio San Juan. Der Ort ist ruhig, schön und bietet ein kleines Highlight: Laguna GriGri. Eigentlich verbringen wir den ganzen Tag mit Essen, Bummeln, Karten Spielen und der Besichtigung der Mangroven. Ein perfekter Tag zum Entspannen und Kräfte Tanken!
29.12.2010 – Nach einem Tag Pause sind wir wieder fit! Umso näher wir Cabarete kommen, desto mehr Gringos sehen wir und man merkt, dass man langsam in eine touristischere Gegend. Heute kommen wir durch eine einsame Gegend, die ich richtig dschungelig finde – cool!
Die Letzten Kilometer bis Gaspar Hernández legen wir dann wieder auf der Ladefläche von einem Kleintransporter zurück. So macht Trampen schon Spaß: Die Sonne scheint, die Landschaft ist schön und der Fahrtwind pustet! Das ist wie Open Air Kino:D
30.12.2010 – Endlich der letzte Tag! Die letzten Tage waren super und es ist abends immer ein tolles Gefühl, wenn man es geschafft hat, aber langsam habe ich genug^^ Die anderen sind noch motiviert, also sage ich erstmal nichts. Ich weiß ja auch, dass wir heute Abend endlich in Cabarete ankommen.Wir gehen also los....es ist so anstrengend einfach zu gehen, wenn man eigentlich nicht Lust darauf hat!!! Trotzdem möchte ich das letzte Stück noch schaffen und die anderen natürlich auch! Auch heute sind wir wieder überrascht, wie viel Strecke wir bis zur Mittagspause zurücklegen....danach kommen wir allerdings nicht mehr allzu weit. Kurze Zeit später stehen wir wieder mit Daumen draußen an der Straße. Wir werden mitgenommen bis Cabarete, was auch nicht mehr weit war. Aber als wir im Hotel ankommen, merke ich erst wie fertig ich tatsächlich bin und ich bin froh, das letzte Stück im Auto gefahren zu sein.
Zu dritt lassen wir unser Abenteuer mit Baden im Meer und leckerem Essen am Strand noch in Ruhe ausklingen.
Es sind noch einige Freiwillige von Nausis Organisation da und Katja kommt am nächsten Tag auch aus Salcedo nach, um mit uns am Strand Silvester zu feiern! Am 1.1.2011 gönnen wir uns noch einen Tag entspannen, um am 2. wieder nach Hause zu fahren.
Ich finde es super, dass wir das gemacht haben! Wir haben tolle dinge gesehen und erlebt und vorallem viele nette Leute getroffen! Die Leute sind hier meistens so herzlich und gastfreundlich, unglaublich! Manchmal kamen sie einfach an die Straße, um uns zu grüßen. Ganz häufig wurden wir gefragt, ob man uns mitnehmen könne. Uns wurde Essen geschenkt, Picknick auf den Weg mitgegeben und sogar kostenlose Schlafplätze angeboten! Die meisten Dommis, denen wir erzählt haben was wir machen, haben uns wohl für verrückt erklärt, aber irgendwie ist ihnen so was dann doch sympathisch:)
Montag, 20. Dezember 2010
Updates
Nach dem Besuh hatte ich erstmal ein paar schwierige Tage. Ich hatte nicht nur Heimweh, sondern auch Sehnsucht nach deutschem Weihnachtsmarkt, Schnee, gemütlich im Wohnzimmer sitzen, Tee trinken, Weihnachtsstimmung, Freunde und Familie.... gerettet haben mich die anderen Freiwilligen und meine Gastmama! Sie sind einfach super und geben mir leicht ein gutes Gefühl. Hinzu kommt, dass der Freund meiner Gastmutter am selben Tag nach New York zurückgekehrt war und wir somit "Leidensgenossinen" waren;) Dann habe ich viel in der letzten Woche unternommen, um mich abzulenken und schnell wieder in meinen dominikanischen Alltag reinzukommen. Der Plan ist gut aufgegangen – Kriese überwunden! Ich vermisse Zuhause zwar und freue mich auch im August wiederzukommen, aber jetzt bin ich in der Dom Rep und das ist auch gut so:)
Seit Donnerstag habe ich jetzt "Schulferien" und das bis zum 11. Januar. Bis zum 24. werde ich noch hier in Salcedo bleiben und mit meiner Gastfamilie Weihnachten feiern. Heute habe ich mir ein Backbuch besorgt, damit ich auch was leckeres zum Buffet beisteuern kann:D
Dann geht für Nausikaa, Lukas und mich dann das Abenteuer los: Wir wollen ca. 100 km in 5 Tagen die Küste entlang backpacken. Am 25. fahren wir nach Nagua, um uns am Morgen des 26. zu Fuß auf unseren Weg nach Cabarete zu machen. Es ist nichts aus der Route festgelegt und ich freue mich schon total! Wir wollen viel von Land und Leuten mitbekommen und die 100 km bewältigen! Am 31. treffen wir dann einige Freiwillige in Cabarete, werden dort gemeinsam Silvester feiern und am 2. Januar wieder in Salcedo ankommen.
Das ist das Neueste und meine Pläne für die nächsten zwei Wochen! Höchstwahrscheinlich hört ihr also erst im Neuen Jahr wieder von mir. In diesem Sinne wünsche ich euch "Feliz Navidad" und ein frohes Neues!
Freitag, 17. Dezember 2010
Erster Zwischenbericht
Nach drei Monaten ist es Zeit für meinen ersten Zwischenbericht aus der Dominikanischen Republik. Vorweg möchte ich betonen, dass es bei meinen Erzählungen um meine Erfahrungen und somit um subjektive Eindrücke geht, die man auf keinen Fall verallgemeinern kann.
Vor meinem Aufenthalt hier hatte ich viel über das Land gelesen und mich informiert. Als ich hier angekommen bin, ist mir allerdings bewusst geworden, dass ich mir kaum vorgestellt hatte, wie mein Jahr und meine Umgebung hier sein würden. Das kam wohl, da ich erst eine Woche vor Abflug eine kurze Projektbeschreibung und keine Informationen zu meiner Wohnsituation bekommen hatte. Jetzt denke ich, dass das das Beste war, was mir passieren konnte.
Ich wohne nun mit einer Mutter und ihren zwei erwachsenen Töchtern in einer Wohnung im ersten Stock. Ich würde sagen, wir zählen hier zur Mittelschicht. Am Ende des Monats wird das Geld meistens ein bisschen knapp, aber eigentlich fehlt es uns an nichts. Das Haus hat Betonwände, die Decke ist aus Pappe und darüber ist verlegtes Wellblech. Wir haben keine Fenster, sondern Klappen, die meistens geöffnet sind. Tagsüber ist das angenehm, aber nachts und wenn es regnet, wird es manchmal etwas kalt. Wenn es viel regnet, steht bei uns teilweise ein bisschen Wasser auf dem Boden und die Wände werden feucht.
Wir wohnen in einer gut befahrenen Straße und im Zentrum der Stadt. Das bedeutet viele Motorroller, Motorräder, Kleinbusse mit ganzen Musikanlagen hinten eingebaut, die Musik und Werbung abspielen und Musik von einer Disko hier um die Ecke. Alles in allem ein für deutsche Verhältnisse hoher Lautstärkepegel.
Die Menschen sind hier sehr gastfreundlich und gesellig. Das Leben findet auf der Straße statt und wer gerade Zeit hat setzt sich mit seinem Plastikstuhl an den Straßenrand. Entweder kommt jemand vorbei, der sich zum Quatschen dazugesellt oder man beobachtet, was gerade so passiert. Einige verbringen so ganze Nachmittage und haben dabei die Ruhe weg. Ich habe noch nie in einem Land mitbekommen, dass die Mehrheit der Menschen so langsam die Straße entlang geht. Aber hier sind wir halt in der Karibik und man ist einfach entspannt.
Die andere Seite ist der dominikanische Stolz und das Temperament. Wenn der Stolz verletzt wird oder jemand einfach wütend ist, geht es manchmal schon ganz schön zur Sache – laut und heftig.
Tagsüber fühle ich mich hier eigentlich sicher. Ich war einmal in dem Stadtteil, "El Matadero", der als sehr gefährlich und Drogenhochburg gilt. Ich selbst war mir dessen nicht bewusst. Es hat sich unglaublich schnell rumgesprochen, dass ich dort war und mir wurde von vielen geraten nicht dorthin zu gehen. Es gibt einfach ein paar Regeln, an die man sich halten solllte. Nach acht Uhr abends nicht mehr alleine durch die Sraßen gehen, am besten in einer Gruppe mit mindestens einem Mann und durch hellere Straßen.
Gerade am Wochenende kommt es zu Schlägereien, die ich persönlich als gefährlich einschätze. Dann fangen hier auch auch eigentlich Unbeteiligte an ihre Bierflaschen in die Menge zu werfen und es bricht schnell Panik aus und alle laufen einfach los. Ich persönlich halte das Eskalationspotenzial einfach für sehr hoch, weil einige geladene Waffen bei sich tragen.
Ich war überrascht, dass hier außer uns Freiwilligen keine Weißen sind. Ich hatte gelesen, dass circa 70% der Dominikaner Mulatten(Menschen mit weißen und schwarzen Vorfahren) sind. Es gibt in meiner Stadt sicher einige, aber auch die haben noch sehr dunkle Haut. Dementsprechend falle ich natürlich auf, was von Vor- und Nachteil, manchmal lustig, manchmal unangenehmn sein kann.
Für viele gelten helle Haut und glatte Haare hier als Schönheitsideal. Wenn ein Mann einer Frau hier hinterherruft, gilt das als Kompliment für die Frau und als männlich für den Mann. Das ist ja auch in Ordnung und wer hört nicht gerne, dass er schön ist. Aber es ist einfach sehr anders als in Deutschland, manchmal zu viel und selten empfinde ich es auch als respektlos.
Was ich schade finde und mich immer wieder erschreckt, ist das negative Bild, das dominikanische Männer und Frauen hier voneinander haben. Oft wird mir gesagt, alle dominikanischen Männer sind schlecht und untreu. Davor warnen mich die Frauen und wenige Männer prahlen damit auch. Die Männer beschreiben auf der anderen Seite die Frauen oft als oberflächlich und geldfixiert. Das kann man auf keinen Fall auf alle beziehen, aber es ist schon eine Sache, die mir aufgefallen ist. Ich kenne selbst viele alleinerziehende Frauen und einige, die gerade ein Verhältnis mit einem verheirateten Mann haben. Aber ich kenne auch Männer, die die Untreue anderer verurteilen und Familien, bei denen alles gut zu sein scheint.
Fast jeder hat Familie in New York oder Puerto Rico und viele würden selbst gerne in die USA emigrieren. Meistens ist das illegal, teuer und gefährlich. Wer nicht genügend Geld für einen Flug auftreiben kann, riskiert sein Leben auf der Reise in einem kleinen Boot.
Obwohl viele selbst Familie und Freunde ohne Aufenthaltsgenhemigung im Ausland haben, sind die Reaktionen gegenüber den Haitianern sehr verschieden. Oft wird bemitleidend gesagt, dass die Haitianer ein armes Volk sind. Einige begegnen ihnen gleichgültig. Andere aber verhalten sich geradezu rassistisch ihnen gegenüber und der Satz, dass die Haitianer selbst schuld sind an ihrem Unglück, schockiert mich immer wieder. Manche vertreten die Meinung, dass Haitis Armut, das Erdbeben und die Krankheiten eine Strafe Gottes sind, weil die Mehrheit Haitis nicht christlich ist.
Der Glaube spielt hier eine sehr große Rolle. Die meisten gehören hier der katholischen Kirche an. Auch in der Schule wird vor dem Essen gebetet und oft hört man den Satz "Si Díos quiere" – "Wie Gott es will". Die Aussage "Ich glaube nicht an Gott" ist für viele Dominikaner unverständlich und meistens werde ich darauf gefragt: "Aber an was glaubst du denn dann?!".
Nur wenige haben hier ein Krankenversicherung. Bei staatlichen Praxen ist die Untersuchung allerdings umsonst und es gibt es gibt subventionierte Apotheken, die die wichtigsten Medikamente zum niedrigeren Preis anbieten. Dort gibt es, wie gesagt, nicht alles, aber bei den meisten Krankheiten verschreiben sich die Dominikaner einfach selbst ein Antibiotium. Ich weiß nicht wie, aber hier hat fast jeder Haushalt immer Antibiotika und Schmerztabletten parat.
Wer es sich leisten kann, geht nicht nur in eine private Praxis, sondern schickt seine Kinder auch auf eine Privatschule. Dort fällt der Unterricht nicht aus und es wird ein höheres Lernniveau versprochen.
Ich selbst arbeite in einem Projekt, das sich "Escuela de Apoyo a la Diversidad", "Schule zur Unterstützung der Vielfalt", nennt. Die Schule hat sich die Integration von Kindern mit Behinderung oder Lernproblemen zur Aufgabe gemacht. Das bedeutet, dass diese Kinder nicht alleine in der Schule unterrichtet werden, sondern gemeinsam mit Kindern ohne Probleme. Je nachdem, ob unsere Schüler vor- oder nachmittags kommen, gehen sie auch vor- oder nachmittags in eine normale Schule. In Salcedo gibt es zwei dieser Hilfsschulen; eine für Schüler mit geistiger oder körperlicher Behinderung und eine speziell für Taubstumme, in der auch die Vorschule ist. In der zweiten arbeite ich Montag bis Freitag circa sechs Stunden.
Morgens helfe ich einer Erzieherin in der Vorschule mit bis zu 13 Kindern. Alle sind drei bis vier Jahre alt und elf von ihnen sind Jungs. Darunter ist ein taubstummes Mädchen und ein Junge, der nicht sprechen und gehen kann. Morgens wird viel gesungen, gemalt, gelesen, gebastelt oder über das Wetter, Farben, Tiere, den Menschen oder sonst etwas geredet. Dann wird gebetet, gegessen und danach geht es in den Garten zum Spielen. Das finde ich besonders toll an meinem Projekt. So kommen die Kinder an die frische Luft, können sich austoben und entdecken immer wieder kleine Wunder der Natur. Besonders weil es in der Stadt sonst keine Grünfläche gibt, auf der sie spielen könnten und meines Wissens nach keines der Kinder einen Garten hat.
Nachmittags helfe ich dann bei der Hausaufgabenhilfe für Kinder der ersten bis vierten Klasse – fünf bis zehn Jahre alt. Jeder bringt seine Hausaufgaben aus der Schule mit und wir(ein bis zwei Lehrerinnen und ich) helfen ihnen dann dabei. Für die, die keine Hausaufgaben haben, wird eine Aufgabe an die Tafel geschrieben, die genauso bearbeitet wird. Die Mehrheit dieser Kinder hat Lern- oder Konzentrationsschwierigkeiten. So genau lässt sich das nicht sagen, weil ein achtjähriger, der das ABC nicht beherrscht, schnell aufgibt, wenn er einen Text über sein Wochenende schreiben soll und dann aus Langeweile andere ablenkt. Die Kinder, die nachmittags kommen brauchen, meiner Meinung nach, auf jeden Fall alle Unterstützung. Diese angemessen zu gewährleisten ist allerdings schwer, wenn wir nur zu zweit sind und über 15 Schüler kommen. Sie haben alle unterschiedliche Aufgaben und benötigen individuelle Unterstüzung.
Im Klassenraum nebenan(es gibt zwei) haben die Taubstummen gleichzeitig Zeichensprachenunterricht. Jeder kann sein Kind zu diesem Unterricht anmelden, aber leider gibt es nur ein Mädchen, das nicht taubstumm ist und vormittags mitmacht. Selten gibt es mal nicht so viel zu tun und ich kann mich zum "Vokabeln Lernen" dazusetzen. Ansonsten bin ich dabei die Zeichen beim Zusammensein nach Unterrichtsende zu lernen.
Die Arbeit in meinem Projekt macht mir sehr viel Spaß und ich wurde gut und herzlich aufgenommen. Meine Chefin hatte zwar eine ausgebildete Lehrkraft erwartet, aber wir haben uns gut eingespielt und ich arbeite gerne mit ihr zusammen.
Besonders schön ist es immer, wenn ich an der Schule ankomme und einige von den Kindern kommen heraus gelaufen, um mich zu umarmen und zu begrüßen. Ich habe das Gefühl so langsam meinen Platz zu finden und bin gespannt, wie sich das die weiteren Monate weiter entwickeln wird.
Freitag, 19. November 2010
Cumpleanos!
Donnerstag haben wir uns abends von der Schulgruppe getrennt und sind mit dem Taxi in ein Hotel gefahren. Auf einmal waren überall ganz viele deutsche Freiwillige und ich hatte überhaupt keinen Plan was passieren würde. Ich wusste, dass Culcha Candela irgendwann in Santo Domingo ist, aber ich dachte, das war schon im Oktober und so ein zeitlich perfekter Zufall war ist ja nicht so naheliegend....ABER es war so:D Wir waren an dem Abend erst lecker Essen in der Zona Colonial, dann auf dem Culcha Candela Konzert im Hard Rock Café und danach feiern! Kein Wunder also, dass die Innenstadt auf einmal voll von Deutschen war! Am nächsten Morgen haben wir lecker gefrühstückt und dann nochmal geshoppt. Es war total cool und ich kann immernoch nicht glauben, dass die anderen das alles für mich gemacht haben! Das war die perfekte Überraschung!

Donnerstag, 18. November 2010
Schulausflug
Sonntag, 24. Oktober 2010
Neues vom Projekt
Nachmittags ist es ein bisschen entpannter, aber auch nicht einfach. Jetzt kommen meistens so 10 bis 15 Kinder – alle unterschiedlichen Alters, von verschiedenen Schulen, mit verschiedenen Haushaufgaben und verschiedenen Lernproblemen. Zu dritt ist das auch kein Problem, aber die eine Lehrerin geht meistens irgendwann ins Schulleiterbüro und dann sind wir nur noch zwei. Das ist eigentlich zu wenig, weil jeder Schüler, die ganze Zeit individuelle Hilfe brauch. Wie soll ein Kind, dass das ABC nicht kann, denn alleine einen Text lesen?! Bin ich noch nicht dahinter gekommen, wie das funktionieren soll. Genauso können die meisten nichtmal die Zahlen von 1-10 und sollen schriftlich addieren! Und dabei ist so wichtig ihnen zu helfen, damit sie nicht aufgeben oder sich schlecht fühlen. Sie wissen ja, dass die anderen in ihrer Klasse lesen, schreiben und rechnen können. Zusätzlich zu diesen Schülern kommen die, die in der Schule Quatsch machen und den Unterricht stören. Auch bei uns sorgt das manchmal für ein wenig Trubel;)
Mit meiner Chefin, Carmen, komme ich auch gut zu recht. Ich finde, sie hat eine gute Art mit den Kindern und mir umzugehen, ist eigentlich immer gut gelaunt und hat mir schon gesagt, sie wird mich nicht mehr gehen lassen;D Cool ist, dass sie meinen Ideen gegenüber sehr offen ist! Ich habe jetzt das ABC auf ein Plakat geschrieben und aufgehängt. So können wir(Carmen benutzt es auch viel:)) Buchstaben jederzeit zeigen und abfragen. Außerdem habe ich mir das ABC auf kleine Kärtchen geschrieben und gehe dann öfter mit einer kleinen Gruppe oder nur einem Schüler in den Karten, um die Buchstaben zu lernen. Die Kinder fahren total darauf ab, was mich natürlich freut!
Wenn ich zur Schule komme, laufen mir die Kinder meistens schon entgegen, um mich zu umarmen und zu begrüßen. Sie scheinen gerne mit mir zu arbeiten und nach Schulschluss spielen wir noch im Garten. Das sind immer besonders tolle Momente:)
Donnerstag, 7. Oktober 2010
Bergschulen
Die meisten Schulen hatten sehr große luftige Klassenräume und nur wenig Schüler. Viel Platz, eine frische Brise und frisch gekochtes Essen...davon können die Schüler in der Stadt nur träumen...aber immerhin bekommen sie bei uns Brötchen und Milch umsonst. Die Schulen haben uns auf jeden Fall sehr gut gefallen! Überall wurde uns entweder alles ganz stolz gezeigt oder wir konnten uns einfach alles ankucken ohne, dass es jemanden gestört hat.
Ein großer Nachteil ist uns auf dem Rückweg aber aufgefallen: Es gibt keinen Schulbus! Für einige bedeutet das einen Schulweg von mehr als einer Stunde auf Geröllstraßen entweder bergauf oder bergab! Das wird dann zu Fuß oder zu Esel gemeistert. In den Deutschland sind es Fahrräder, hier sind es halt Esel! Wenn man Glück hat, fährt gerade ein Auto die Straße entlang und nimmt einen mit. Wie gesagt: Wenn man Glück hat!
Montag, 27. September 2010
Sosua
So haben wir uns morgens in einem US-Amerikanischem Schulbus(da kamen gleich Erinnerungen auf:D) auf den Weg gemacht. Das Busfahren mit den Dominikanern ist an sich schon eine Erfahrung wert!
Das haben wir mit zwei Stunden Verspätung aber noch hinbekommen.
Die Rückfahrt wurde dann noch zu einem ganz besonderen Abenteuer. Der Busfahrer hatte beschlossen, dass ihm die Straße vom Hinweg in zu schlechten Zustand und die Fahrt durch die Berge zu gefährlich war. Also sind wir statt zwei Stunden fünf Stunden zurück gefahren! Hinzu kam, dass es einer der Spieler ein bisschem mit dem Rum übertrieben hatte und wir noch einen dreistündigen Zwischenstop an einem Krankenhaus machen mussten. Was für eine Rückfahrt!
Trotz allem hat keiner auch nur einmal genörgelt oder geschimpft, dass er jetzt nicht drei Stunden warten will, oder irgendetwas. Stattdessen wurde die Musik nochmal richtig aufgedreht und sogar während der Fahrt getanzt! Ich finde, das klingt genauso schwer, wie es ist....die meisten Dominikaner würden mir da aber sicher wiedersprechen;)