Montag, 28. Februar 2011

Carnaval!

Fiesta! Karneval wird hier je nach Stadt vier oder sechs Sonntage ab dem ersten Februar-Wochenende gefeiert. Am ersten Samstag sind wir Mädels abends zur Karneval-Königs-Krönung in Salcedo gegangen, was ein netter Auftakt für unseren ersten dominikanischen Karneval war:)Die Wochenenden danach sind wir meistens mit einer Gruppe Freunden nach La Vega gefahren. Der veganische Karneval wird als der Beste landesweit gehandelt und hat uns auch sehr gut gefallen. Am tollsten sind einfach die Kostüme hier. Schon Monate vorher bilden sich Gruppen, die zur Karnevalszeit gemeinsam durch die Straßen ziehen und ihre Kostüme präsentieren. Die Route der Macaraos(so heißen die Verkleideten) ist festgelegt und so bummeln die Karnevalsbesucher den ganzen Tag diese Route entlang und schauen sich die verschiedenen Kostüme an....und die sind toll! Unglaublich! Die Gruppen haben nicht nur tolle Anzüge sondern auch Maksen, die meistens riesig und genauso bunt wie der Rest des Karnevals sind;)

Die Jungs meinten vorher zu uns, wir sollten uns lieber zwei Paar Hosen anziehen....das mache man hier so an Karneval. Wir Mädels dachten uns natürlich, wir würden den Karneval auch mit einer Jeans gut überstehen.....naja. Was wir nicht verstanden hatten war, dass die Macaraos an Bändern befestigte, harte Ballons haben mit denen sie den Leuten ganz schön den Hintern versohlen, wenn die nicht am Straßenrand gehen. So blaue Hintern habe ich mein Leben noch nicht gesehen! Wieder mal eine sehr dominikanische Erfahrung;)

Und unsere eigenen Masken haben wir natürlich auch gebastelt:)!

Dienstag, 1. Februar 2011

Huelga!

Im Moment geht es mal wieder ein bisschen drunter und drüber in Salcedo. Die Leute sind über die ständig steigenden Benzin- und Gaspreise empört. Verständlich, denn dadurch wird auch alles andere teurer! Deshalb gibt es gerade eine Huelga - einen Streik. Seit August gab es schon mehrere Huelgas, aber nie so heftig. Seit Montag brennen immer wieder Autoreifen auf der Straße und man hört kleine selbstgebaute "bombas" in die Luft gehen.

Die Straßen sind ab und zu blockiert und Müll liegt verteilt. Die meisten bleiben Zuhause oder gehen Umwege zu ihrem Ziel. Mir haben schon viele gesagt, ich soll auf mich aufpassen. Besonders nachts sind die Straßen im Moment leer und wenn die Demonstranten mit der Polizei aufeinander treffen soll es richtig heftig sein. Die einen schmeißen Steine, die anderen schießen.

Eben weil das für jeden gefährlich werden kann, fällt heute Nachmittag und morgen auch die Schule aus. Ich bin also "sicher" Zuhause auf meinem Bett und es geht mir gut. Wenn man ein bisschen aufpasst, muss man sich eigentlich auch keine Sorgen machen. Also: Keine Sorge;)!

Montag, 17. Januar 2011

Pico Duarte

Kaum Zuhause ging es auch schon wieder los! Dieses Mal auf den Pico Duarte, mit 3087m Höhe der höchste Punkt der Karibik und der kälteste Ort des Landes! Die Tour ist von der Austauschorganisation AFS organisiert worden und wir hatten das Glück trotz anderer Organisation mitmachen zu können. Insgesamt waren wir 87 Teilnehmer und 6 Leute Staff + Eseltreiber + Esel und Köchinnen. Samstag sind wir eigentlich nur angereist, haben abends noch gequatscht und Karten gespielt und sind dann auch schlafen geganen. Immerhin sollte es am nächsten Morgen um 7 Uhr schon los gehen! Diese Nacht haben wir noch ein richtiges Bad gehabt. Geschlafen haben im Schlafsack unter einem zu drei Seiten offenen Dach. Sonntag sind wir also um 5:00 aufgestanden, haben alles zusammengepackt und in Plastiktüten gestopft, damit auch alles gegen Dreck und Nässe geschützt war. Dann gab es richtig schön dominikanisch Kochbananen, Süßkartoffeln und Käse zum Frühstück. Das war auch gut so, denn mir war super kalt und das Frühstück hat zumindest ein bisschen gewärmt:) Fast pünktlich sind wir dann los marschiert. Alle nur mit einem kleinen Rucksack, Snacks und einer riesigen Wasserflasche ausgestattet. Die Schlafsäcke und großen Taschen haben die Mulis für uns übernommen – zum Glück! So sind wir fast den ganzen Tag bergauf gegangen. Die Wege waren oft sehr steil und steinig, was den Aufstieg um einiges erschwert hat...aber mal wieder haben wir es geschafft! Nausi und ich sind um 15:20 im nächsten Lager angekommen. In genau 8 Stunden sind wir 18 km gewandert! Die Letzten sind zu Fuß und auf Mulis gegen 18:30 ins Lager gekommen. Geduscht haben wir im eiskalten Fluss. Wie gesagt sehr kalt, aber irgendwie auch alles ehr cool! Den Rest des Abends saßen wir am Lagerfeuer, haben gegessen, uns unterhalten und massiert. Was man eben so braucht nach so einem Tag;) er nächste Tag war mit der Ankunft auf der Spitze des Pico natürlich das Highlight! Und zum Glück nicht ganz so hart. Nach einer Nacht im Zelt sind wir etwas später aufgestanden, haben wieder gut gefrühstückt und haben dann die letzten 5 km zur Spitze erklommen. Was für ein geiler Ausblick! Was für ein tolles Gefühl! Endlich da und die Dominikaner hatten Recht: Vale la pena! Der Schmerz ist es wert! Nach ausgiebigem Genießen und Fotos machen haben wir dann unsere Toblerone vernascht! Lukas, der nicht mehr mitkommen konnte, weil am Montag sein Jahr vorbei war und er nach Deutschland zurückgeflogen ist, hatte sie uns mit auf dem Weg gegeben. Uns wäre kein besserer Moment eingefallen, sie angemessen zu würdigen! So war ein Stück deutsche Schokolade und mit ihr ein Teil von Lukas auch auf dem Pico dabei:) Später gab es etwas weiter unten noch Mittag und dann begann der Abstieg! Schon ein geiles Gefühl nach soviel bergauf-kämpfen! Abends wurde haben wir uns wieder im Fluss gebadet, gegessen, uns am Lagerfeuer aufgewärmt und gequatscht und später haben wir endlich die erst richtige Werwolf-Runde eröffnet! In Schlafsäcken in einer Holzhütte mit Feuer....schön!


Tja, und das war dann auch schon fast unser Pico-Abenteuer, denn am Dienstag hieß es nur noch Abstieg und Heimfahrt. Na gut, das klingt ein bisschen zu unspektakulär;) Auch der Abstieg war sehr anstrengend, aber wieder schön! Und danach waren wir auch wieder alle reif für unsere dominikanischen Betten MIT Matratzen!

Donnerstag, 6. Januar 2011

Caminata

25.12.2010 – Unser Abenteuer geht los! Mit Schlafsäcken, Wanderrucksäcken und -schuhen nehmen wir(Nausi, Lukas und ich) mittags die Guagua von Salcedo aus nach San Francisco de Macoris, von wo aus wir mit einem Carrito(Jeep-Taxi) hinten auf der Ladefläche weiterfahren.
So kommen wir völlig zerstrubbelt im Küstenort Nagua an. Von dort aus gehen wir in den Vorort Matancitas, wo wir uns mit Laura treffen, die dort als weltwärts-Freiwillige lebt. Sie wohnt in einem relativ großen Haus mit wunderschönem, großen Garten. Bei ihr verbringen wir auch unsere erste Nacht, um unsere Wanderung(Caminata) Richtung Cabarete am nächsten Morgen zu beginnen.

Auf dem einen Foto seht ihr ein Elendsviertel vor Nagua. Ich finde es immer wieder erschreckend, sich vorzustellen, dass ganze Familien in den Häusschen leben. Dazu kommt der Müll, der hier allerdings keine Seltenheit ist. Wir denken, dass er hier von den Bewohnern vielleicht auch zur Küstenverbreiterung genutzt wird.

Salcedo – Nagua: 93km Guagua und Carrito

Nagua – Matancitas: 5,6km zu Fuß

26.12.2010 – Morgens um 9 Uhr ging es ein bisschen hektisch los. Nach erstem Strandbegutachten in Matancitas habe ich(einzige ohne richtigen Wanderrucksack) auch schon die ersten Schmerzen. Also beschließen wir, uns bis Nagua mitnehmen zu lassen – immerhin sind wir die gleich Strecke am Vortag schon gegangen, eigentlich wollten wir ja "nur" von Nagua nach Cabarete und es liegen immerhin noch 100km vor uns! Der nette Fahrer bringt uns sogar noch zu einer Cafetería, wo wir erstmal lecker frühstücken: Papaya-Milchshake und Sandwich. So kommen wir erst um 11 Uhr in Nagua los. Am Vortag hatte ich schon Sorge, ich könnte mit dem schnellen Tempo der anderen nicht mit, aber es passt super und wir sind echt flott unterwegs!

Wir laufen den ganzen Tag lang an einer Hauptstraße, bis wir schließlich auf eine Sandstraße kommen. De führt uns durch Hügellandschaften an den ersehnten Traumstrand! Das ist dann auch höchste Zeit, weil wir uns die letzten Kilometer echt gequält haben...Lukas in FlipFlops, weil seine Schuhe so gedrückt haben und Nausikaa und ich mit Blasen und auch sonst tut fast alles weh.Nach unserer Abkühlung im Meer gehen wir weiter am Strand entlang, wo wir auch für die letzten zwei Kilometer bis zum nächsten Ort eine Mitfahrgelegenheit bekommen:)

Diese Nacht schlafen wir für insgesamt 10€ in einer Cabaña – einem Stundenhotel. Aber es ist billig, relativ sauber und die einzige Unterkunft, die wir diesen Abend finden können. Außerdem sind die Cabañas hier berüchtigt und es gehört doch irgendwie dazu mal in einer geschlafen zu haben;)

Matancitas - Nagua: 2km zu Fuß; 3,6km Auto

Nagua – La Entrada: 31,4km zu Fuß; 2km Moped


27.12.2010 – Morgens um 9 verlassen wir die Cabañas. Die Nacht und der Schlaf hatten heilende Kräft und bis auf die Blasen sind fast alles Schmerzen weg! Auf dem Weg frühstücken wir noch Empanadas und Joghurt(eine Seltenheit!) und dann gehen wir erstmal wieder eine ganze Zeit. Auf dem Weg spielen wir Rätselspiele, singen und quatschen. Manchmal lässt sich auch mal einer zurückfallen und denkt entweder in Ruhe nach oder einfach gar nicht.
Mittem im Wald hält auf einmal ein Laster vor uns. Zwei Männer springen raus – einer aufs Dach und einer auf die Ladefläche...einen kurzen Moment denke ich: "Scheiße, jetzt werden wir überfallen! Wir hätten doch auf die anderen hören sollen und nicht diese Strecke gehen!" Dann wird mir klar, dass die gar nicht an uns sondern an dem Baum am Straßenrand interessiert sind^^ Statt uns zu überfallen, posen die Jungs noch für unsere Fotos und pflücken uns frische Mangos! LECKER und einfach cool! Das nenne ich Karibik:D
Nach 19km kommen wir endlich in Abreu an. Hier wollen wir uns eigentlich einen alten Leuchturm auf einem Felsen angucken....als wir oben sind trauen wir unseren Augen nicht: Vor uns liegt der schönste Karibikstrand, den wir bis jetzt gesehen haben! Wunderschön in einer Bucht und außer ein paar dominikansichen Kindern leer! Die Aussicht von oben ist genial und das Wasser ist wunderschön blau – ein Traum! Wieder wurden wir fürs ganze Gehen belohnt! Unten am Strand entdecken wir sogar einen Süßwasser-Wasserfall unter dem wir das Salzwasser nach dem Baden noch abwaschen können.

Als wir nach ein paar Stunden wieder oben an der Straße ankommen, tun meine Unterschenkel so weh, ich habe das Gefühl nur noch humpeln zu können. Es ist auch schon fast dunkel und wir beschließen, den Rest des Weges wieder per Anhalter zu fahren. Prompt hälter ein kleiner Transporter an und nimmt uns hinten mit bis nach Rio San Juan.



Dort kommen wir in einem kleinen Hotel direkt am Meer mit schönem Ausblick unter. Wir gehen noch kurz an den Strand baden, dann warm duschen und lecker Essen. An diesem Abend erklärt Lukas uns Skat und Poker – womit die hauptsächliche Freizeitbeschäftigung für den Rest des Trips festliegt;D



La Entrada – Abreu: 19,1km zu Fuß

Abreu – Rio San Juan: 14,2km Laster



28.12.2010 – Wir machen einen Tag Pause in Rio San Juan. Der Ort ist ruhig, schön und bietet ein kleines Highlight: Laguna GriGri. Eigentlich verbringen wir den ganzen Tag mit Essen, Bummeln, Karten Spielen und der Besichtigung der Mangroven. Ein perfekter Tag zum Entspannen und Kräfte Tanken!

29.12.2010 – Nach einem Tag Pause sind wir wieder fit! Umso näher wir Cabarete kommen, desto mehr Gringos sehen wir und man merkt, dass man langsam in eine touristischere Gegend. Heute kommen wir durch eine einsame Gegend, die ich richtig dschungelig finde – cool!

Auf dem Weg sehen wir einen Baum am Straßenrand, der ein bisschen merkwürdig aussieht....bei genauerem hinsehen, entdecken wir, dass jemand den Stamm für seine Schnitzkunst benutzt hat und er mit total schönen Figueren verziert ist. Ein Stück weiter ist ein Laden, der Schnitzereien verkauft. Hauptsächlich gibt es Frauenfiguren und Tische. Jeder von uns entdeckt mindestens ein Stück, was er glatt mitnehmen könnte.
Das ist nur ein Beispiel dafür, wie sehr es sich für uns gelohnt hat die Strecke zu Fuß zurück zu legen. Im Auto wäre uns viele tolle Sachen und Erlebnisse entgangen!
Bis zur ersten Pause laufen wir drei Stunden durch und bei der Mittagspause sind wir überrascht, wie weit wir schon gekommen sind. Nach einer Weile verfällt man einfach so in sein Gehen, dass die Zeit viel schneller rumgeht.
Die Letzten Kilometer bis Gaspar Hernández legen wir dann wieder auf der Ladefläche von einem Kleintransporter zurück. So macht Trampen schon Spaß: Die Sonne scheint, die Landschaft ist schön und der Fahrtwind pustet! Das ist wie Open Air Kino:D
Rio San Juan – Brücke vor Gaspar Hernández: 21,5km zu Fuß Brücke – Zentrum Gaspar Hernández: 5,3km Laster

30.12.2010 – Endlich der letzte Tag! Die letzten Tage waren super und es ist abends immer ein tolles Gefühl, wenn man es geschafft hat, aber langsam habe ich genug^^ Die anderen sind noch motiviert, also sage ich erstmal nichts. Ich weiß ja auch, dass wir heute Abend endlich in Cabarete ankommen.Wir gehen also los....es ist so anstrengend einfach zu gehen, wenn man eigentlich nicht Lust darauf hat!!! Trotzdem möchte ich das letzte Stück noch schaffen und die anderen natürlich auch! Auch heute sind wir wieder überrascht, wie viel Strecke wir bis zur Mittagspause zurücklegen....danach kommen wir allerdings nicht mehr allzu weit. Kurze Zeit später stehen wir wieder mit Daumen draußen an der Straße. Wir werden mitgenommen bis Cabarete, was auch nicht mehr weit war. Aber als wir im Hotel ankommen, merke ich erst wie fertig ich tatsächlich bin und ich bin froh, das letzte Stück im Auto gefahren zu sein.

Zu dritt lassen wir unser Abenteuer mit Baden im Meer und leckerem Essen am Strand noch in Ruhe ausklingen.

Es sind noch einige Freiwillige von Nausis Organisation da und Katja kommt am nächsten Tag auch aus Salcedo nach, um mit uns am Strand Silvester zu feiern! Am 1.1.2011 gönnen wir uns noch einen Tag entspannen, um am 2. wieder nach Hause zu fahren.



Ich finde es super, dass wir das gemacht haben! Wir haben tolle dinge gesehen und erlebt und vorallem viele nette Leute getroffen! Die Leute sind hier meistens so herzlich und gastfreundlich, unglaublich! Manchmal kamen sie einfach an die Straße, um uns zu grüßen. Ganz häufig wurden wir gefragt, ob man uns mitnehmen könne. Uns wurde Essen geschenkt, Picknick auf den Weg mitgegeben und sogar kostenlose Schlafplätze angeboten! Die meisten Dommis, denen wir erzählt haben was wir machen, haben uns wohl für verrückt erklärt, aber irgendwie ist ihnen so was dann doch sympathisch:)

Montag, 20. Dezember 2010

Lieblingsfotos

Zum Jahresabschluss noch ein paar von meinen Lieblingsfotos=)




Updates

Am 26. November stand ich am Flughafen in Puerto Plata – in der einen Hand eine Kochbanane in der anderen die dominikanische Flagge. So, stand es in meinem Reiseführer, empfangen die Dominikaner ihre Verwandten...ich war die einzige mit solchem Equipment und wurde von mehreren verwunderten Dommis gefragt, was das denn zu bedeuten hat. Hatte noch keiner von ihnen gehört, aber die Idee fanden sie cool^^
Der folgende zweiwöchige Urlaub mit meinem Freund Oli und seinen Eltern ist natürlich viel zu schnell vergangen! Es tat gut, Besuch aus Deutschland zu bekommen und war natürlich besonders schön, Oli wiederzusehen. Boah, und noch nie habe ich ein Hotel als so luxeriös empfunden: Alles war so sauber, es gab so viel verschiedenes Essen, die Duschen waren warm und es gab keine Kakerlaken-Begegnungen! Da werden einem einige Unterschiede erst richitg bewusst. Wir waren ein paar Mal in der Stadt und haben uns einige Sachen angesehen und Oli und ich sind noch zwei Tage zum Besuch nach Salcedo gefahren. Meine Gastmama hatte extra lecker gekocht, haben die Schule besucht und Oli hat meine Gastfamilie und die anderen Freiwilligen kennengelernt.

Nach dem Besuh hatte ich erstmal ein paar schwierige Tage. Ich hatte nicht nur Heimweh, sondern auch Sehnsucht nach deutschem Weihnachtsmarkt, Schnee, gemütlich im Wohnzimmer sitzen, Tee trinken, Weihnachtsstimmung, Freunde und Familie.... gerettet haben mich die anderen Freiwilligen und meine Gastmama! Sie sind einfach super und geben mir leicht ein gutes Gefühl. Hinzu kommt, dass der Freund meiner Gastmutter am selben Tag nach New York zurückgekehrt war und wir somit "Leidensgenossinen" waren;) Dann habe ich viel in der letzten Woche unternommen, um mich abzulenken und schnell wieder in meinen dominikanischen Alltag reinzukommen. Der Plan ist gut aufgegangen – Kriese überwunden! Ich vermisse Zuhause zwar und freue mich auch im August wiederzukommen, aber jetzt bin ich in der Dom Rep und das ist auch gut so:)

Seit Donnerstag habe ich jetzt "Schulferien" und das bis zum 11. Januar. Bis zum 24. werde ich noch hier in Salcedo bleiben und mit meiner Gastfamilie Weihnachten feiern. Heute habe ich mir ein Backbuch besorgt, damit ich auch was leckeres zum Buffet beisteuern kann:D

Dann geht für Nausikaa, Lukas und mich dann das Abenteuer los: Wir wollen ca. 100 km in 5 Tagen die Küste entlang backpacken. Am 25. fahren wir nach Nagua, um uns am Morgen des 26. zu Fuß auf unseren Weg nach Cabarete zu machen. Es ist nichts aus der Route festgelegt und ich freue mich schon total! Wir wollen viel von Land und Leuten mitbekommen und die 100 km bewältigen! Am 31. treffen wir dann einige Freiwillige in Cabarete, werden dort gemeinsam Silvester feiern und am 2. Januar wieder in Salcedo ankommen.

Das ist das Neueste und meine Pläne für die nächsten zwei Wochen! Höchstwahrscheinlich hört ihr also erst im Neuen Jahr wieder von mir. In diesem Sinne wünsche ich euch "Feliz Navidad" und ein frohes Neues!

Freitag, 17. Dezember 2010

Erster Zwischenbericht

Dreimal während meiner Zeit als Freiwillige werde ich einen Bericht über meine Erfahrungen und Erlebnisse schreiben. Diese Berichte sind für alle weltwärts-Teilnehmer verpflichtend und werden teilweise auch vom Auswärtigen Amt gelesen, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Mir hat es Spaß gemacht, weil ich mir auf diese Weise einiger Sachen erst richtig bewusst geworden bin. Hier könnt ihr jetzt also eine erste Zusammenfassung meiner Eindrücke nach circa drei Monaten lesen:

Nach drei Monaten ist es Zeit für meinen ersten Zwischenbericht aus der Dominikanischen Republik. Vorweg möchte ich betonen, dass es bei meinen Erzählungen um meine Erfahrungen und somit um subjektive Eindrücke geht, die man auf keinen Fall verallgemeinern kann.

Vor meinem Aufenthalt hier hatte ich viel über das Land gelesen und mich informiert. Als ich hier angekommen bin, ist mir allerdings bewusst geworden, dass ich mir kaum vorgestellt hatte, wie mein Jahr und meine Umgebung hier sein würden. Das kam wohl, da ich erst eine Woche vor Abflug eine kurze Projektbeschreibung und keine Informationen zu meiner Wohnsituation bekommen hatte. Jetzt denke ich, dass das das Beste war, was mir passieren konnte.

Ich wohne nun mit einer Mutter und ihren zwei erwachsenen Töchtern in einer Wohnung im ersten Stock. Ich würde sagen, wir zählen hier zur Mittelschicht. Am Ende des Monats wird das Geld meistens ein bisschen knapp, aber eigentlich fehlt es uns an nichts. Das Haus hat Betonwände, die Decke ist aus Pappe und darüber ist verlegtes Wellblech. Wir haben keine Fenster, sondern Klappen, die meistens geöffnet sind. Tagsüber ist das angenehm, aber nachts und wenn es regnet, wird es manchmal etwas kalt. Wenn es viel regnet, steht bei uns teilweise ein bisschen Wasser auf dem Boden und die Wände werden feucht.

Wir wohnen in einer gut befahrenen Straße und im Zentrum der Stadt. Das bedeutet viele Motorroller, Motorräder, Kleinbusse mit ganzen Musikanlagen hinten eingebaut, die Musik und Werbung abspielen und Musik von einer Disko hier um die Ecke. Alles in allem ein für deutsche Verhältnisse hoher Lautstärkepegel.

Die Menschen sind hier sehr gastfreundlich und gesellig. Das Leben findet auf der Straße statt und wer gerade Zeit hat setzt sich mit seinem Plastikstuhl an den Straßenrand. Entweder kommt jemand vorbei, der sich zum Quatschen dazugesellt oder man beobachtet, was gerade so passiert. Einige verbringen so ganze Nachmittage und haben dabei die Ruhe weg. Ich habe noch nie in einem Land mitbekommen, dass die Mehrheit der Menschen so langsam die Straße entlang geht. Aber hier sind wir halt in der Karibik und man ist einfach entspannt.

Die andere Seite ist der dominikanische Stolz und das Temperament. Wenn der Stolz verletzt wird oder jemand einfach wütend ist, geht es manchmal schon ganz schön zur Sache – laut und heftig.

Tagsüber fühle ich mich hier eigentlich sicher. Ich war einmal in dem Stadtteil, "El Matadero", der als sehr gefährlich und Drogenhochburg gilt. Ich selbst war mir dessen nicht bewusst. Es hat sich unglaublich schnell rumgesprochen, dass ich dort war und mir wurde von vielen geraten nicht dorthin zu gehen. Es gibt einfach ein paar Regeln, an die man sich halten solllte. Nach acht Uhr abends nicht mehr alleine durch die Sraßen gehen, am besten in einer Gruppe mit mindestens einem Mann und durch hellere Straßen.

Gerade am Wochenende kommt es zu Schlägereien, die ich persönlich als gefährlich einschätze. Dann fangen hier auch auch eigentlich Unbeteiligte an ihre Bierflaschen in die Menge zu werfen und es bricht schnell Panik aus und alle laufen einfach los. Ich persönlich halte das Eskalationspotenzial einfach für sehr hoch, weil einige geladene Waffen bei sich tragen.

Ich war überrascht, dass hier außer uns Freiwilligen keine Weißen sind. Ich hatte gelesen, dass circa 70% der Dominikaner Mulatten(Menschen mit weißen und schwarzen Vorfahren) sind. Es gibt in meiner Stadt sicher einige, aber auch die haben noch sehr dunkle Haut. Dementsprechend falle ich natürlich auf, was von Vor- und Nachteil, manchmal lustig, manchmal unangenehmn sein kann.

Für viele gelten helle Haut und glatte Haare hier als Schönheitsideal. Wenn ein Mann einer Frau hier hinterherruft, gilt das als Kompliment für die Frau und als männlich für den Mann. Das ist ja auch in Ordnung und wer hört nicht gerne, dass er schön ist. Aber es ist einfach sehr anders als in Deutschland, manchmal zu viel und selten empfinde ich es auch als respektlos.

Was ich schade finde und mich immer wieder erschreckt, ist das negative Bild, das dominikanische Männer und Frauen hier voneinander haben. Oft wird mir gesagt, alle dominikanischen Männer sind schlecht und untreu. Davor warnen mich die Frauen und wenige Männer prahlen damit auch. Die Männer beschreiben auf der anderen Seite die Frauen oft als oberflächlich und geldfixiert. Das kann man auf keinen Fall auf alle beziehen, aber es ist schon eine Sache, die mir aufgefallen ist. Ich kenne selbst viele alleinerziehende Frauen und einige, die gerade ein Verhältnis mit einem verheirateten Mann haben. Aber ich kenne auch Männer, die die Untreue anderer verurteilen und Familien, bei denen alles gut zu sein scheint.

Fast jeder hat Familie in New York oder Puerto Rico und viele würden selbst gerne in die USA emigrieren. Meistens ist das illegal, teuer und gefährlich. Wer nicht genügend Geld für einen Flug auftreiben kann, riskiert sein Leben auf der Reise in einem kleinen Boot.

Obwohl viele selbst Familie und Freunde ohne Aufenthaltsgenhemigung im Ausland haben, sind die Reaktionen gegenüber den Haitianern sehr verschieden. Oft wird bemitleidend gesagt, dass die Haitianer ein armes Volk sind. Einige begegnen ihnen gleichgültig. Andere aber verhalten sich geradezu rassistisch ihnen gegenüber und der Satz, dass die Haitianer selbst schuld sind an ihrem Unglück, schockiert mich immer wieder. Manche vertreten die Meinung, dass Haitis Armut, das Erdbeben und die Krankheiten eine Strafe Gottes sind, weil die Mehrheit Haitis nicht christlich ist.

Der Glaube spielt hier eine sehr große Rolle. Die meisten gehören hier der katholischen Kirche an. Auch in der Schule wird vor dem Essen gebetet und oft hört man den Satz "Si Díos quiere" – "Wie Gott es will". Die Aussage "Ich glaube nicht an Gott" ist für viele Dominikaner unverständlich und meistens werde ich darauf gefragt: "Aber an was glaubst du denn dann?!".

Nur wenige haben hier ein Krankenversicherung. Bei staatlichen Praxen ist die Untersuchung allerdings umsonst und es gibt es gibt subventionierte Apotheken, die die wichtigsten Medikamente zum niedrigeren Preis anbieten. Dort gibt es, wie gesagt, nicht alles, aber bei den meisten Krankheiten verschreiben sich die Dominikaner einfach selbst ein Antibiotium. Ich weiß nicht wie, aber hier hat fast jeder Haushalt immer Antibiotika und Schmerztabletten parat.

Wer es sich leisten kann, geht nicht nur in eine private Praxis, sondern schickt seine Kinder auch auf eine Privatschule. Dort fällt der Unterricht nicht aus und es wird ein höheres Lernniveau versprochen.

Ich selbst arbeite in einem Projekt, das sich "Escuela de Apoyo a la Diversidad", "Schule zur Unterstützung der Vielfalt", nennt. Die Schule hat sich die Integration von Kindern mit Behinderung oder Lernproblemen zur Aufgabe gemacht. Das bedeutet, dass diese Kinder nicht alleine in der Schule unterrichtet werden, sondern gemeinsam mit Kindern ohne Probleme. Je nachdem, ob unsere Schüler vor- oder nachmittags kommen, gehen sie auch vor- oder nachmittags in eine normale Schule. In Salcedo gibt es zwei dieser Hilfsschulen; eine für Schüler mit geistiger oder körperlicher Behinderung und eine speziell für Taubstumme, in der auch die Vorschule ist. In der zweiten arbeite ich Montag bis Freitag circa sechs Stunden.

Morgens helfe ich einer Erzieherin in der Vorschule mit bis zu 13 Kindern. Alle sind drei bis vier Jahre alt und elf von ihnen sind Jungs. Darunter ist ein taubstummes Mädchen und ein Junge, der nicht sprechen und gehen kann. Morgens wird viel gesungen, gemalt, gelesen, gebastelt oder über das Wetter, Farben, Tiere, den Menschen oder sonst etwas geredet. Dann wird gebetet, gegessen und danach geht es in den Garten zum Spielen. Das finde ich besonders toll an meinem Projekt. So kommen die Kinder an die frische Luft, können sich austoben und entdecken immer wieder kleine Wunder der Natur. Besonders weil es in der Stadt sonst keine Grünfläche gibt, auf der sie spielen könnten und meines Wissens nach keines der Kinder einen Garten hat.

Nachmittags helfe ich dann bei der Hausaufgabenhilfe für Kinder der ersten bis vierten Klasse – fünf bis zehn Jahre alt. Jeder bringt seine Hausaufgaben aus der Schule mit und wir(ein bis zwei Lehrerinnen und ich) helfen ihnen dann dabei. Für die, die keine Hausaufgaben haben, wird eine Aufgabe an die Tafel geschrieben, die genauso bearbeitet wird. Die Mehrheit dieser Kinder hat Lern- oder Konzentrationsschwierigkeiten. So genau lässt sich das nicht sagen, weil ein achtjähriger, der das ABC nicht beherrscht, schnell aufgibt, wenn er einen Text über sein Wochenende schreiben soll und dann aus Langeweile andere ablenkt. Die Kinder, die nachmittags kommen brauchen, meiner Meinung nach, auf jeden Fall alle Unterstützung. Diese angemessen zu gewährleisten ist allerdings schwer, wenn wir nur zu zweit sind und über 15 Schüler kommen. Sie haben alle unterschiedliche Aufgaben und benötigen individuelle Unterstüzung.

Im Klassenraum nebenan(es gibt zwei) haben die Taubstummen gleichzeitig Zeichensprachenunterricht. Jeder kann sein Kind zu diesem Unterricht anmelden, aber leider gibt es nur ein Mädchen, das nicht taubstumm ist und vormittags mitmacht. Selten gibt es mal nicht so viel zu tun und ich kann mich zum "Vokabeln Lernen" dazusetzen. Ansonsten bin ich dabei die Zeichen beim Zusammensein nach Unterrichtsende zu lernen.

Die Arbeit in meinem Projekt macht mir sehr viel Spaß und ich wurde gut und herzlich aufgenommen. Meine Chefin hatte zwar eine ausgebildete Lehrkraft erwartet, aber wir haben uns gut eingespielt und ich arbeite gerne mit ihr zusammen.

Besonders schön ist es immer, wenn ich an der Schule ankomme und einige von den Kindern kommen heraus gelaufen, um mich zu umarmen und zu begrüßen. Ich habe das Gefühl so langsam meinen Platz zu finden und bin gespannt, wie sich das die weiteren Monate weiter entwickeln wird.